Lennart
Sonntag, 11. März 2007
Chancengleichheit
Sonntag, 11. März 2007, 00:03
Celle in Niedersachsen. Es ist Mittwoch Abend. Am Tresen einer Pizzeria steht ein Mann. Er zählt in der Handinnenfläche sein Trinkgeld, nickt zufrieden und schlussfolgert: "Gut, dann kann ich ja meine Tochter doch studieren lassen."

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Donnerstag, 8. März 2007
Aufgewärmt(es) zum Grand Prix
Donnerstag, 8. März 2007, 23:24
Gefühlte fünfzig Prozent der Menschen antworteten heute auf die Frage "Und, wer gewinnt?" mit einem gelangweilten "Ich weiß gar nicht, wer spielt." Dabei ist die Auswahl, die sich im Deutschen Schauspielhaus Hamburg am heutigen Abend dem Fernsehpublikum stellte, alles andere als monoton. Swing, Rock und R&B vertreten durch den aufstrebenden Pianistensohn, den "Rockpoeten" und Oberlehrer und die Castinggewinner.
Aber nur drei Interpreten? Schon 2006 waren es nur drei, die uns Deutschen zur Auswahl standen, und auch dieses Jahr tritt in dieselben Fußstapfen. Noch 2005 hatte man zehn Kandidaten zur Wahl. Ein viel größeres Problem allerdings stellt sich der ARD bei der telemedialen Umsetzung dieses von allen Akteuren als "Riesenshow" wahrgenommenen Ereignisses. Lässt man alle Kandidaten fröhlich ihr Liedchen trällern, auf die heutigen dreieinhalb Radiominuten gekürzt versteht sich, so kommt man mit ein bisschen Moderation gut und gerne auf eine halbe Stunde. Schon dann ist aber nur ein Drittel der gesendeten Zeit Musik, eine recht geringer Anteil, möchte man meinen. Nun sind, der Blick in die Fernsehzeitschrift verrät es, gewohnte 90 Minuten angesetzt, um - summa summarum - drei Lieder zur Auswahl zu stellen und darüber abzustimmen.
Und so konnte er nur Mitleid erregen, der arme Thomas Hermanns. Kennt man ihn sonst als witzigen Gastgeber und kurzweiligen Komiker, so musste er heute vor allem sein Talent im Strecken präsentieren. In der Runde seiner Gäste saßen Musikgrößen wie Andrea 'Kiwi' Kiewel oder Georg Uecker. Die Beschaffung musikkritischer Gäste scheint im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Da verwundert es den artigen GEZ-Zahler schon, dass und vor allem wie Stefan Raab eine Joy Fleming ganz mühelos in seinen Grand-Prix-Vorentscheid-
Vorentscheid "SSDSGPS" holte. In Hamburg diskutierte man derweil über Grand-Prix-Kleider und verbotenes Zuschauen im sozialistischen Bruderstaate, über die Abba-Ablehnung Andrea Kiewels Eltern und präsentierte eine zusammenhanglose Mischung aus Gewinnern und Kandidaten vergangener Jahrzehnte. Deren musikalischer Beitrag zur Gesamtlänge der Sendung war einerseits zwingend erforderlich, andererseits aber auch das Minimum an Motivation, den Griff zur Fernbedienung zu verkneifen. Klassiker der Grand-Prix-Geschichte wurden überdies von allen drei Kandidaten neu interpretiert, durchaus gelungen sind diese neben den eigentlichen Liedern als Glanzpunkte der sonst recht faden Show aufgefallen.
Die Diskrepanz zwischen Inhalt und Verpackung konnte kaum größer sein und somit muss - man ahnt es - ein Lob ausgesprochen werden für das Niveau der Musik, das sich in Deutschland fern von Ralph Siegel durchsetzt. Es kann nur einer positiven Entwicklung zuzurechnen zu sein, dass das Urgestein Kunze den Weg auf die Vorentscheidsbühne ging. Und auch Roger Cicero ist als ausgebildeter Jazzmusiker und vor allem -sänger kein Durchschnittsgast, von seinen kommerziellen Erfolgen im vergangen Jahr ganz zu schweigen. Mit den stereotypischen Eigenschaften einer Castingband sind Monrose ins Rennen gegangen: Professionalität, Homogenität und ganz enger Ausrichtung an der Zielgruppe. Vielleicht wurde gerade diese ihnen zum Verhängnis. Denn, anders als vermutet, schaffte es Cicero nach Helsinki, nicht die Teenie-Ikonen der ProSieben-Band. Es bleibt nur Spekulation, aber man kann mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuten, dass der erwartete SMS-Ansturm pro Monrose nicht zuletzt aufgrund der altbackenen ARD-Sendung ausblieb. Das Erste, wie es sich selbst am liebsten genannt hört, orientierte sich scheinbar zu sehr an seiner gewohnten Zielgruppe, um jugendliche Zuschauer bei Laune zu halten. Schade für Monrose, die es bei einer Stefan-Raab-Interpretation des Vorentscheids mit Sicherheit im Mai nach Finnland geschafft hätten - gut für Roger Cicero und hoffentlich gut für unser Abschneiden in Helsinki.

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